Mathis Thomsen

Produktstrategie · UX · Digitale Produktentwicklung

Gute Produktentscheidungen beginnen damit, die richtige Frage zu stellen.

Ich arbeite seit über zehn Jahren an digitalen Produkten. Mich interessieren besonders die Stellen, an denen noch nicht klar ist, was eigentlich gebaut werden sollte: wenn Nutzerbedürfnisse, Geschäftsziele und technische Möglichkeiten unterschiedliche Richtungen nahelegen. Ich helfe Teams, diese Fragen zu klären, Entscheidungen zu begründen und daraus etwas Umsetzbares zu machen.

Mein Weg führte über einen Master in Germanistik mit kulturanthropologischem Schwerpunkt, Redaktion und technische Umsetzung zu UX und zunehmend zu Produkt- und Systemfragen. Das prägt meine Arbeit bis heute: genau hinsehen, Begriffe klären, Perspektiven verstehen. Eine unklare Anforderung kann erstaunlich lange überleben, wenn man sie nur oft genug wiederholt.

Bei VR-NetWorld koordinierte ich digitale Vorhaben zwischen Auftraggeber, Agenturen und zentraler Bankenplattform. Bei Sedo kamen Produktstrategie, Discovery, Design Systems und die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung hinzu. Zuletzt entwickelte ich mit Aura einen Ansatz, um UX-Wissen und menschliche Entscheidungen in die Arbeit mit KI-Agenten einzubinden. Mein fachlicher Ausgangspunkt ist UX; mein Blick gilt dem Produkt und den Bedingungen, unter denen es entsteht.

Produktrichtung klären und Umsetzung ermöglichen

Am Anfang steht für mich die Frage, welches Problem wir lösen und woran wir eine Verbesserung erkennen würden. Ich verbinde Research, Nutzungsdaten und die Perspektiven der beteiligten Fachbereiche. Daraus entstehen Anforderungen, begründete Prioritäten und eine Richtung, die sich mit Produktmanagement und Entwicklung weiterbearbeiten lässt.

Zur Entscheidung gehört ihre Umsetzung: Abhängigkeiten früh klären, den Umfang handhabbar machen und unterschiedliche Interessen zusammenbringen. Ich habe diese Verantwortung häufig aus einer UX- oder Content-Rolle heraus übernommen. Die Stellenbezeichnung kam gelegentlich etwas später zur Besprechung.

  • Produktstrategie und Discovery bei Sedo

    UX-Anforderungen in die Produktrichtung eingebracht, die Unternehmensleitung beraten und interdisziplinäre Discovery-Workshops unter anderem mit Analytics, Trust & Safety und Account Management konzipiert und moderiert.

  • Modernisierung von vr.de

    Die mobile Modernisierung vom Business Case über Komponentenpriorisierung und Agenturbriefing bis zur schrittweisen Umsetzung koordiniert – im Zusammenspiel mit BVR, internen Teams und zentralem CMS-Betreiber.

  • Anforderungen für ein neues CMS

    Nutzeranforderungen gesammelt, strukturiert und mit Entwicklungsteams abgestimmt; anschließend als User Stories für die Arbeit im SAFe-Framework ausgearbeitet.

  • Zwölf Unternehmen, eine Informationsarchitektur

    Sechs Workshops für eine gemeinsame B2B-Plattform gestaltet und moderiert. Die daraus entwickelte Informationsarchitektur mit 20 Personen getestet und anhand der Ergebnisse überarbeitet.

  • Conversion und Experimentation

    Sales Lander anhand von Analytics und Geschäftsdaten neu konzipiert und A/B-Tests ausgewertet. Im Projekt stieg die Conversion Rate von 0,8 % auf 2 %; der berichtete Bruttoumsatz nahm um 8 % zu.

  • Fachliche Führung an Schnittstellen

    Anforderungen konkretisiert, Entscheidungen mit Fachbereichen und Gremien abgestimmt und die Zusammenarbeit mit Agenturen und Entwicklungsteams begleitet.

Systeme entwickeln, mit denen Teams weiterkommen

Mich interessiert, welche Regeln, Werkzeuge und gemeinsamen Grundlagen einem Team helfen, gute Entscheidungen wiederholt zu treffen. Ein Design System kann technische und gestalterische Fragen klären; ein Agent kann Fachwissen im Arbeitsablauf verfügbar machen. Beides braucht verständliche Regeln und einen Weg, diese weiterzuentwickeln.

Meine Erfahrung mit Frontend, Komponenten und Datenmodellen hilft mir, solche Ansätze konkret zu machen. Ich kann selbst prototypisieren, technische Abhängigkeiten mitdenken und mit Entwicklern über die Folgen einer Entscheidung sprechen. Besonders gern baue ich Strukturen, mit denen andere anschließend eigenständig weiterarbeiten können.

  • Aura: UX in agentischen Arbeitsabläufen

    Ein im Team eingesetztes Agentensystem für Reviews und UX-Spezifikationen konzipiert und gebaut: mit getrennten Wissens- und Prozessschichten, definierten Eskalationen und menschlichen Freigaben.

  • Design System über Produktgrenzen hinweg

    Die Komponentenarchitektur und Figma-Bibliothek eines proprietären Systems aufgebaut und mit der Frontend-Entwicklung weiterentwickelt. Den Übergang zu MUI aus Sicht des Design Systems begleitet.

  • Technische Konzeption

    Umsetzungskonzepte für Onlineprojekte entwickelt, zu Frontend-Fragen beraten und technische Abhängigkeiten mit internen Teams und externen Partnern geklärt.

  • Evidoxa: eine Produktidee erproben

    Aus Gesprächen mit Historiker:innen einen MVP für Forschungsdaten entwickelt. Produktkonzeption, Datenmodell und KI-gestützte Umsetzung selbst übernommen; die breitere Erprobung im Forschungsalltag steht noch aus.

  • Paperless Life: kontinuierliche Produktarbeit

    Den Aufbau und die Weiterentwicklung eines Shopify-Shops über mehrere Jahre begleitet – von Informations- und Produktstrukturen bis zur technischen Umsetzung.

Verantwortung für die Menschen, die ein Produkt nutzen

Produkte lenken Aufmerksamkeit, eröffnen Möglichkeiten und setzen Grenzen. Ich möchte verstehen, wem eine Entscheidung hilft, wen sie ausschließt und welche Nebenwirkungen sie hat. Wirtschaftliche Ziele gehören in diese Abwägung; ebenso die Freiheit der Menschen, eine informierte Entscheidung zu treffen.

Barrierefreiheit soll deshalb früh in Anforderungen, Konzeption und Prüfung einfließen. Auch manipulative Gestaltung spreche ich an: künstlichen Zeitdruck, irreführende Einwilligungen oder absichtlich erschwerte Kündigungen. Dass etwas die Conversion erhöht, beantwortet noch nicht jede Frage dazu.

  • Barrierefreiheit bei Sedo

    Audits durchgeführt, Anforderungen abgeleitet, Anpassungen am Design System und Entwicklerbriefings erarbeitet sowie Korrekturen nachgetestet. Darüber hinaus ein Framework für die systematische Integration entwickelt; der umfassende organisatorische Rollout kam nicht mehr zustande.

  • Barrierefreies Webdesign · XDi, 2024

    Zertifizierte Weiterbildung zu gestalterischen und technischen Grundlagen, Standards und unterschiedlichen Zugangsbedürfnissen – einschließlich Kontrasten, Screenreadern und alternativen Eingabemöglichkeiten.

  • Qualitative Forschung und Evaluation

    Nutzerinterviews, Cognitive Walkthroughs und Usability-Tests geplant, durchgeführt und ausgewertet, um Anforderungen und Verbesserungsvorschläge an tatsächlicher Nutzung zu prüfen.

  • Entscheidungsregeln für KI-Agenten

    In Aura transparente Empfehlungen und menschliche Entscheidungen vorgesehen. Ethikbefunde benötigen eine einzelne Freigabe, auch wenn zuvor eine Sammelaktion gewählt wurde.

  • UXQB CPUX-F

    Certified Professional for Usability and User Experience, Foundation Level. Die Zertifizierung ergänzt meine praktische Erfahrung in menschenzentrierter Produktentwicklung.

Wie die Zusammenarbeit mit mir aussieht

  • Ich arbeite mich gern in neue Fachgebiete ein. Finanzwirtschaft, Domainhandel und Medizingeschichte waren bisher dabei. Verstehen beginnt für mich mit guten Fragen und der Bereitschaft, die eigene erste Erklärung wieder zu verwerfen.
  • Ich mache Annahmen und Zielkonflikte besprechbar: Was wissen wir, was vermuten wir, und welche Erkenntnis würde unsere Entscheidung verändern? Daraus soll ein sinnvoller nächster Schritt entstehen.
  • Ich führe fachlich über Argumente, gemeinsame Arbeit und nachvollziehbare Entscheidungen. Dabei hilft mir, dass ich Redaktion, Konzeption und technische Umsetzung aus eigener Praxis kenne.
  • Ich spreche an, wenn ich einen Ansatz für problematisch halte, und arbeite an einer Alternative mit. Am liebsten im guten Gespräch; falls nötig auch in dem etwas unbequemeren.